!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN"> Astrofotos (148) Totale Mondfinsternis 28.09.2015


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Totale Mondfinsternis  28.09.2015
Diese Mondfinsternis fand unter besonderen Bedingungen statt. Der Mond befand sich zum Zeitpunkt der Finsternis im Perigäum, stand also besonders nahe der Erde. Zum Zeitpunkt meines ersten Fotos um 1:44 betrug der Abstand zur Erde auf den Kilometer genau 353000 km.

Das führte dazu, daß diese Finsternis von den Medien besonders stark beworben wurde, man sparte nicht mit Attributen wie »Supermond«, »Blutmond« oder »Erntemond«. Letztere Bezeichnung bekam er in früheren Zeiten, weil er im September in der Phase des Vollmondes und danach etwa zur gleichen Zeit aufgeht und hoch am Himmel steht, so daß die Menschen bis in die Nacht hinein ihr Ernte einbringen konnten.

Die mediale Hype hatte aber auch einen Vorteil: Viele Menschen betrachteten bei überwiegend günstigen Wetterverhältnissen in der zweiten Nachthälfte die Finsternis, viele Vereine und Sternwarten stellten Teleskope und Fachwissen zur Verfügung.

Vollmond
Datum,Zeit,Ort 28.09.2015  02:45-05:35 MESZ
Mühlhausen
Kamera,
Objektiv
Canon EOS 70D
Newton f6,7/1000, fokal
Belichtung 1/640...8s, ISO 100...1600


Ich habe mein Teleskop im Garten aufgebaut. Der hohe Stand des Mondes ermöglicht mir trotz umstehender Bäume eine gute Sicht; allerdings würde ich die Finsternis von hier aus nicht bis zum Ende sehen können, weil das Nachbarhaus den Blick versperrt. Die Beobachtung der Totalität aber ist gesichert.

Das erste Foto zeigt den Mond um 2:45, nach Eintritt in den Halbschatten, der als leichte Abdunklung am der linken unteren Rand zu sehen ist. Die Belichtungszeit betrug 1/500 s.
Beginn Kernschatten
Eine gute Viertelstunde später ist der vorrückende Kernschatten schon deutlich erkennbar. Allerdings bewirken durchziehende Wolkenschleier, daß der Rand des Schatten nicht schraf ist, sondern «ausgefranst» wirkt.

Leichte Besorgnis machte sich breit. Von Osten her ziehen Wolken heran, und Erinnerungen an vorangegangene Finsternisse werden wach. Aber bis zur Totalität ist es ja noch eine Stunde. Würden sie bis dahin vorübergezogen sein?

Zur Mondfinsternis 2007 schrieb ich: «Der Grad der Bedeckung hat weiter zugenommen, leider auch die Bewölkung. Ich mußte bereits die Belichtung ... steigern.« Wie sich die Situationen doch ähneln!
Immerhin ist jetzt, um 3:46, ein scharf abgegrenzter Kernschatten zu sehen. So schieße ich unmittelbar darauf noch ein Foto, mit längerer Belichtunfgszeit und größerer Empfindlichkeit (1 s / ISO 400). So entsteht neben dem total überbelichteten Teil des unbeschatteten Mondes schon ein erster Eindruck der Totalität.

Wer den Mauszeiger über das Bild legt, kann beide Bilder vergleichen.

In 25 Minuten wird die Finsternis beginnen, und noch immer ziehen dichte Wolken durch. Auf die Schnelle den Standort zu wechseln bringt auch nichts; dafür ziehen sie zu schnell. Darin liegt allerdings meine Hoffnung, die totale Verfinsterung doch noch sehen zu können.
Die Dunkelheit hat sich mittlerweile merklich gesteigert; vom hellen Mond ist nur noch ein schmales Segment übriggeblieben. Jetzt ist sogar die Milchstraße ziemlich gut sichtbar. Leider ziehen gerade jetzt, knapp zehn Minuten vor dem Eintritt in die Totalität, wieder größere Wolken vorüber und verdecken den Mond teilweise. Bevor er völlig verschwindet, entstehen noch zwei Fotos, wieder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. (Der Mauszeiger weist den Weg...)
Totale Mondfinsternis
Und dann beginnt die Phase der Totalität, und der Mond ist weg, völlig bedeckt sowohl vom Erdschatten als leider auch von Wolken. Meine Frau wollte ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich wecken, damit sie sich das Schauspiel ansehen kann. Sie erwacht, schaut aus dem Fenster und sieht - nichts.

Meine Hoffnung ist eine große Wolkenlücke, die sich schnell nähert. Zehn Minuten später ist der Blick frei auf den verfinsterten Mond, und ich bin zufrieden.

Was mir gleich auffällt: Im Vergleich zu vorangegangenen Finsternissen scheint mir der Mond ziemlich dunkel (Das Foto täuscht ein wenig; es ist heller). Mein Eindruck wird mir von später verschiedenen Seiten bestätigt.
Totale Mondfinsternis
Die Forscher sehen vor allem zwei Ursachen für den dunklen Mond: Bei Finsternissen im Perigäum würde der Mond tiefer als sonst in den Erdschatten eintauchen. Aber auch atmosphärische Veränderungen wurden in Verbindung mit dem dunklen Mond gebracht: Beim Ausbruch des chilenischen Vulkans Calbuco im April 2015 gelangten Schwebeteilchen in die Atmosphäre, darüberhinaus könnten auch ausgedehnte Waldbrände oder ein Zunahme sulfatischer Aerosole Ursache sein.

Auffallend ist außerdem (was auch auf dem Foto zu sehen ist), daß der Helligkeitsabfall von Mondrand zu Mondrand größer schien als bei vorigen Finsternissen.

Das Foto entsteht zum Zeitpunkt der größten Verdunklung, um 4:48. Es wurde 4 Sekunden lang bei ISO 800 belichtet.
Totale Mondfinsternis
Die Totalität dauerte über 80 Minuten. Der Mond schickt sich an, aus dem Kernschatten herauszutreten. Der Rand links unten ist schon ganz hell (im Spiegelteleskop ist die Ansicht um 180° gedreht). Das Wetter hat mitgespielt, die Wolken sind abgezogen und der Himmel ist klar. Der Beobachter ist alles in allem zufrieden; es hätte schlimmer kommen können.
Ein schmales Segment des Mondes leuchtet wieder hell. Ein letzter Blick auf den schwindenden »Blutmond«? Bitte den Mauszeiger auf das Foto legen.

Der Mond nähert sich immer weiter der benachbarten Hauswand. In wenigen Minuten wird er dahinter verschwinden. Normalerweise lasse ich mir den Verlauf der Finsternis bis zu ihrem Ende nicht entgehen, aber diesmal muß das ausreichen. Es ist auch nicht ganz so tragisch, weil es mittlerweile 5:36 Uhr ist, die astronomische Dämmerung hat bereits eingesetzt, und in anderthalb Stunden geht die Sonne auf. Ich gehe jetzt schlafen.
Zum Schluß noch einmal, wieder mit Hilfe des Mauszeigers, ein Vergleich zwischen beleuchtetem und verdunkeltem Mond. Die leichte Drehung resultiert daraus, daß zwischen beiden Aufnahmen eine Zeitspanne von knapp drei Stunden liegt.