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Leviathan, der Zweiundsiebzigzöller
Birr Castle, Leviathan
Wer in Irland im County Offaly unterwegs ist, sollte einen Besuch der Stadt Birr einplanen. Sie liegt ziemlich genau im geometrischen Mittelpunkt Irlands. Dort befindet sich ein großer Landschaftspark; der sich samt des noch bewohnten Castles im Besitz des 7. Earl of Rosse befindet.

Mitten im Park fällt bereits von weitem dieses seltsame Gebilde auf. Es ist ein Spiegelteleskop, das William Parson, der 3. Earl of Rosse, in den Jahren 1841-1845 nach eigenen Berechnungen bauen ließ.
Birr Castle, Leviathan
Das Teleskop war zu seiner Zeit das größte Teleskop der Erde. Der leicht zigarrenförmige Tubus wurde wie ein Faß aus Holzdauben gefertigt, die durch eiserne Bänder zusammen gehalten wurden.

Der damalige Spiegel hatte einen Durchmesser von 72 Zoll (1,82 m) und eine Brennweite von 48 Fuß (14,63 m), wurde aus einer Legierung von Messing und Zinn gegossen und mußte regelmäßig alle paar Wochen poliert werden. Dafür mußte er jedesmal ausgebaut und zur eigens dafür gebauten Schleifvorrichtung (hier ein Modell) transportiert werden.
Birr Castle, Leviathan
Von dieser Seite blickte der Beobachter durchs Teleskop, in den sogenannten Okularauszug wurden die Okulare eingesteckt. Bemerkenswert ist, daß nicht wie heute üblich ein Sucherfernrohr am Teleskop befestigt ist; man mußte sich also seine Beobachtungsobjekte mühsam durchs Teleskop suchen. Das Teleskop wurde sowohl horizontal als auch vertikal nachgeführt mit Hilfe zweier Kurbeln, die am Tubus des Teleskops befestigt sind.

Das Teleskop ist in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, man konnte also die Objekte während ihres Durchganges durch den Meridian beobachten, wenn sie also am höchsten standen. Die Beweglichkeit des Teleskops war jedoch stark eingeschränkt: Während der Tubus bis in den Zenit und etwas darüber hinaus Richtung Norden geschwenkt werden konnte, konnte man ihn in horizontaler Richtung (im Azimut) nur etwa 10° in jeder Richtung auslenken. Das beschränkte leider die Beobachtungzeit für ein einzelnes Himmelsobjekt, je nachdem, wie hoch es stand, auf nur wenige Stunden. Wer darüberhinaus mit den Eigenarten des irischen Wetters vertraut ist, kann sich gut vorstellen, wie wenige Beobachtungsstunden pro Jahr da zusammenkamen. Es heißt, man mußte auch noch bergsteigerische Begabung haben, um sich sicher in schwindelnder Höhe bewegen zu können. Ungeachtet dessen strömten zu dieser Zeit Gelehrte aller Länder nach Parsonstown (wie die Stadt damals noch hieß), um einen Blick durch "Leviathan" zu werfen.
Birr Castle, Leviathan
Parsons entdeckte als erster die Struktur von M51. Bisher hatte man angenommen, es handele sich um einen Nebel; er aber konnte zeigen, daß es sich um eine Galaxis handelt.

Dieser Blick auf die Rückseite der imposanten Anlage zeigt noch einmal das System aus Ketten und Gegengewichten, mit dessen Hilfe das Teleskop unter möglichst wenig Kraftaufwand vertikal ausgerichtet wurde.

Nachdem das Teleskop lange Jahre nicht mehr benutzt wurde und dem Verfall preisgegeben war, setzte man es glücklicherweise vor einigen Jahren wieder instand. Heute werden wieder Schauvorführungen durchgeführt, wobei man das Gerät nicht mehr mit Muskelkraft, sondern motorgetrieben bewegt. Auch ein funktionsfähiger Spiegel ist wieder eingebaut, wobei sich die Quellen nicht einig sind: die eine behauptet, der Originalspiegel würde aus einem Londoner Museum wieder zurückgeführt und eingebaut, und die andere weiß zu berichten, daß ein anderer Spiegel nach Vorlage des Originals angefertigt wurde.