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Die Reise zur schwarzen Sonne
Totale Sonnenfinsternis 29.3.2006, Side/Türkei  
Der Höhepunkt - der Mond bedeckt die Sonne
So verging die Zeit mit Aufbau und Test unseres Equipments. Ich ging noch einmal meinen Ablaufplan durch, was ich in den kostbaren Sekunden der Totalität tun wollte, und in welcher Reihenfolge. Keinesfalls sollte zugunsten der Technik die Beobachtung zu kurz kommen. So reizvoll es ist, eigene Fotos vorlegen zu können - das bewußte Erleben können sie weder beschreiben noch ersetzen.

Völlig überraschend für mich rief plötzlich jemand - es war Helmut? - den Beginn der Finsternis aus. Ein Blick auf die Uhr bestätigte: Es war 12:39. Der nächste Blick galt der Sonne, und tatsächlich - nach kurzem Suchen stellten wir fest, daß am rechten unteren Sonnenrand ein Stückchen fehlte. Der Mond hatte sich ins Gesichtsfeld der Sonne geschoben. Zeit für mich, die Aufnahmeserie zu starten: Von nun an sorgte der Timer dafür, daß alle fünf Minuten ein Foto von der Sonne entstand. Noch verlief die Finsternis völlig entspannt, und wir hatten nichts weiter zu tun, als ab und zu einen Blick durch unsere Optiken zu werfen und zu beobachten, wie sich der Mond immer mehr über die Sonne schob.
SoFi-Phasen
Unmerklich ließ die Helligkeit nach, doch zuerst spürte ich, wie es kühler wurde, und der mitgebrachte Pullover kam zu Ehren. Zu Josts umfangreicher Ausrüstung gehörte ein kleiner Datenlogger; er zeichnete Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit in kontinuierlich auf. Betrug die Temperatur zu Beginn der Finsternis 26°C, so sank sie bis auf 15,6°C ab und war dann zu Ende der Finsternis bis auf 27°C angestiegen. Die Luftfeuchtigkeit dagegen stieg von anfangs 28% bis auf 82% an, um dann wieder auf 44% abzusinken. Interessant ist, daß die minimale Temperatur erst 7 Minuten nach der Totalität erreicht wurde, die maximale Feuchte drei Minuten nach der Totalität.

Je schmaler die Sonnensichel wurde, um so unwirklicher wurde die Szenerie. Unwirklich deshalb, weil die Lichtverhältnisse unserer Erfahrung zuwiderlaufen: Normalerweise steht die Sonne bei Sonnenuntergang tief am Horizont, und der längere Weg, den das Licht durch die Atmosphäre nehmen muß, filtert eine Großteil des blauen Anteils der Strahlung heraus und erzeugt so ein warmes, von Rotanteilen dominiertes Licht. Hier aber stand die Sonne hoch am Himmel, während es dämmerte. Das Licht tauchte die Landschaft im Unterschied zu einem Sonnenuntergang in kalt und fahl wirkende Farben. Außerdem bekamen plötzlich die Schatten scharfe Umrisse. Normalerweise werfen alle Gegenstände verwaschene Schatten, weil die Sonne keine punktförmige Lichtquelle ist. Kurz vor der Totalität ist aber von der Sonnenscheibe nur noch eine schmale Sichel übriggeblieben. Auf Helmuts Bettlaken konnten wir die von vielen beschriebenen fliegende Schatten sehen; annähernd vergleichbar mit dem Lichtspiel einer sonnenbeschienenen Wasseroberfläche, die sich an einer weißen Hauswand spiegelt.

Und dann war es plötzlich soweit: Man konnte zur Sonne aufblicken. Der Horizont war rundum von einem orangen Lichtsaum umgeben; das Himmelsblau wandelte sich Richtung Zenit in ein tiefes Dunkelblau; Venus war zu sehen. In den Orten war die Straßenbeleuchtung eingeschaltet. Eine seltsame Ruhe lag über der Landschaft, die nur durch das Klicken der Verschlüsse unserer Kameras unterbrochen wurde. Dabei wäre mit beinahe ein Mißgeschick passiert: Ich vergaß, den Sonnenfilter vom Kameraobjektiv zu entfernen, bemerkte den Irrtum aber nach einigen Sekunden. Dann galt meine ganze Aufmerksamkeit der Sonne.
Panorama
Sequenz
Um es vorwegzunehmen - die dreieinhalb Minuten vergingen wie im Flug, und anschließend stellte ich fest, daß ich der Fotografie mehr Aufmerksamkeit geschenkt hatte als beabsichtigt. Anschließend fragte ich mich, ob ich überhaupt die verfinsterte Sonne durchs Fernglas betrachtet habe - ich war mir anfangs nicht sicher.

Das Foto ist ein Zusammenschnitt mehrer Einzelaufnahmen: Es zeigt den Anblick des Himmels während der Phase der Totalität und die Bahn der Sonne im Verlauf der Finsternis, in das die einzelnen Phasen der Bedeckung der Sonne (im 5-Minuten-Abstand) einkopiert wurden. Rechts unten ist Venus zu erkennen. Auf gerader Linie genau zwischen Sonne und Venus steht Merkur, doch für ihn war es wohl zu hell, oder er wird durch eine kleine Zirre verdeckt.
Sofi-Korona
In der Phase der Totalität - dem kurzen Moment, wo der Mond die Sonne völlig bedeckt - sieht man die äußere Korona, jene dünne Gashülle, die nur während einer totalen Finsternis zu beobachten ist, und die sich viele Sonnendurchmesser groß in den Weltraum erstreckt. Sie zeigt ein für Zeiten minimaler Aktivität typische schmetterlingsförmiges Aussehen; in Jahren maximaler Aktivitäten ist sie dagegen rund bis oval. Deutlich sieht man links unten und rechts oben am Süd- und Nordpol der Sonne die charakteristischen Eintrittslinien des starken elektromagnetischen Feldes, das die Sonne umgibt.

Um die Strukturen der Korona deutlicher erkennbar zu machen, wurden mehrere unterschiedlich lang belichtete Fotos übereinandergelegt und digital mit einem speziellen Softwarefilter, dem Larsen- Sekanina- Filter, bearbeitet. Die längste Belichtungszeit betrug hier 1/8 s bei einer Empfindlichkeit von ISO 100.
SoFi-Protuberanzen
Fotografiert man mit kürzerer Belichtungszeit (hier etwa 1/1000s), sieht man kurz nach Beginn bzw. kurz vor Ende der Totalität einen dünnen, rot leuchtenden Saum um die Sonne. Das ist die Chromosphäre, die nur in diesen Momenten sichtbar ist. Sie bringt auch die Protuberanzen hervor, diese rotglühenden Fackeln aus Gasen und Partikeln, die in unregelmäßigen Abständen emporlodern, abreißen und schließlich ins All geschleudert werden. Protuberanzen sind mit starken elektromagnetischen Vorgängen im Umfeld von Sonnenflecken verbunden.
SoFi-Diamantring
Kurz bevor der Mond die Sonne völlig bedeckt bzw. kurz bevor er sie wieder freigibt, zum sogenannten zweiten und dritten Kontakt, sind für wenige Sekunden weitere interessante Effekte zu beobachten. Der Mondhorizont ist nicht glatt und rund, sondern entsprechend dem Mondprofil wechseln sich Berge und Täler ab. Und wenn die letzten (oder ersten) Sonnenstrahlen durch solche Täler scheinen, spricht man je nach Erscheinungsform von einem Perlschnureffekt bzw. vom Diamantring.

Nebenstehendes Foto zeigt den Diamantring, der das Ende der Totalität anzeigt. Er erinnert gleichzeitig daran, daß der Sonnenfilter (der ja während der völligen Bedeckung der Sonne abgenommen wird - sonst sieht man nichts!) wieder auf Teleskop und Fernglas muß.
Mond-Sonne
Dieses Bild ist eine Montage - hier habe ich die (vor Beginn der Finsternis fotografierte) Sonne vor den Mond kopiert. Es verdeutlicht, daß der scheinbare Durchmesser des Mondes größer ist als der der Sonne. Je größer er im Vergleich ist, umso länger bedeckt er die Sonne - umso länger dauert die Totalität. Je näher der Mond der Erde ist (die er ja in einer Ellipse umläuft), umso länger dauert eine Finsternis. Ist er zu weit von der Erde entfernt, ist sein scheinbarer Durchmesser kleiner als der der Sonne. Er kann sie nicht vollständig bedecken, und die Finsternis ist eine ringförmige.

Es ist ohnehin ein Glücksfall, daß wir in einem Zeitalter leben, wo die scheinbaren Durchmesser von Sonne und Mond am Himmel fast identisch sind. Der Mond entfernt sich stetig von der Erde. Es sind zwar jährlich nur wenige Zentimeter, aber es ist absehbar, daß er in ferner Zukunft einmal so weit entfernt sein wird, daß er selbst in maximaler Erdnähe die Sonne nicht mehr vollständig bedecken kann. Dann ist die Ära der totalen Sonnenfinsternisse endgültig Geschichte.


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