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Crosby, Stills & Nash
Bonn, 3.7.2009, Museumsmeile


Es gibt auf meiner Wunschliste noch immer eine Reihe von Musikern, deren Konzerte ich bei der nächstbesten Gelegenheit besuchen möchte, solange sie noch auf Tour gehen. Ganz oben stand bis jetzt diese Band, die zu den Legenden der Rockmusik zählt, die mir mit ihrer Musik besonders in meiner Jugend unvergeßliche Stunden bereitete, und von deren Mitgliedern jeder einzelne ein exzellenter Musiker ist: David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash.

Crosby, Stills & Nash
Crosby, Stills und Nash befinden sich 2009 nach vierjähriger Abstinenz wieder einmal auf einer Welttournee. Allerdings gaben sie in Deutschland nur ein einziges Konzert, das aber glücklicherweise in Bonn, quasi vor meiner Haustür stattfand.

Zeitweilig gehörte auch Neil Young zur Band, die in diesem Jahr ihr 40jähriges Bühnenjubiläum feiert, doch der ging schon immer seine eigenen Wege. So war er zur gleichen Zeit ebenfalls auf Tour, doch ich hatte bereits vor einigen Jahren das Vergnügen ihn zu sehen, wie man auf dieser Seite nachlesen kann.
Crosby, Stills & Nash
Das Konzert fand auf dem Gelände der der Museumsmeile open air, jedoch unter einem großen Zeltdach statt. Das Wetter war schwül; die große Hitze des Tages war durch einen Regenschauer einige Stunden zuvor nur wenig gemildert.

Beginn sollte bereits um 19:00 sein, und wir fragten uns, ob nicht etwa noch eine Vorgruppe spielen würde. Es war nicht herauszufinden, doch sprach auf der Bühne alles dagegen: Drei Mikrofone am Bühnenrand, nahe beieinander, und ein altehrwürdiges Keyboard auf der rechten Seite. Ich hatte das Glück, fast ganz vorn stehen zu können; auf der rechten Seite nur wenige Meter von der Bühne entfernt.
David Crosby
Nach nicht einmal zehnminütiger Verspätung betraten unter dem tosenden Beifall des Publikums drei in Würden gealterte Herren die Bühne:

Der besonders um die Mitte herum deutlich gerundete Dave Crosby mit wallendem Haar und Basecap auf dem Kopf, der freundliche Großvater und Liebling aller Enkel (auf nebenstehendem Foto), Stephen Stills im bunten Hawaiihemd und mit Brille, die er zwischendrin auch mal abnahm (Bild unten links) sowie Graham Nash, dunkel gekleidet und schlank; der körperlich noch den besten Eindruck aller drei machte (unteres Foto rechts).

Die drei begannen das Konzert mit »Helplessly Hoping«. Dier ersten Titel wurden in jenem Stil vorgetragen, der das Markenzeichen der Band wurde - dem polyphonen Harmoniegesang. Abwechselnd spielten sie ihre Akustikgitarren; mit Ausnahme von Stephen Stills, der gelegentlich seiner Gretsch White Falcon rockige Akkorde entlockte.

In ihrem Repertoire hatten sie außerdem Anleihen von Grateful Dead (»Johnny's Garden«, in Gedenken an Jerry Garcia; ein Titel, den sie schon jahrelang in ihrem Programm haben), oder Rod Stewarts »Reason To Believe«.
Stephen Stills
Graham Nash
Dave Crosby: »Guinnevere«
Die ersten Lieder sang Dave Crosby völlig ohne Instrument, seine Hände bisweilen tief in die Taschen versenkt. Nach einer halben Stunde reichten ihm die Roadies seine Gitarre, und fortan zeigte er, vom Beifall des Publikums getragen, daß er sein filigranes Spiel noch nicht verlernt hat. Als er die ersten Akkorde von »Guinnevere« anspielte, brauste der Beifall auf.

Der alte »Buffalo Springfield«- Song »For What It's Worth« wurde ebenso begeistert beklatscht wie die berühmte Antikriegshymne »Military Madness« von Nashs Album »Songs For Beginners«, »Cathedral« oder Stills' elegische Suite »Judy Blue Eyes«

Die letzten Akkorde des lebhaften »Southern Cross« waren gerade verklungen, da verkündete Grahm Nash nach knapp einer Stunde, man werde jetzt eine zwanzigminütige Pause einlegen, käme aber bestimmt zurück auf die Bühne, und das Publikum möge doch bitte noch nicht nach Hause gehen.

Mitten im ersten Abschnitt mußte ich leider das Fotgrafieren auf Verlangen der Ordner einstellen; ich hätte sonst den Verlust der Bilder oder das Verlassen des Konzerts riskiert. Rundherum um mich wurde zwar nach Herzenslust mit Handys und Kleinbildkameras fotografiert, doch eine Spiegelreflex findet vor den gestrengen Augen der Ordner keine Gnade, weil sie eben vergleichweise qualitativ bessere Fotos produziert. So stammen sämtliche (Nah-)Aufnahmen aus den ersten vierzig Minuten des Konzerts. Nur ganz am Ende, bei der dritten Zugabe, wagte ich noch ein paar Fotos aus der Totale heraus, von ganz hinten; geschützt vor den gestrengen Blicken der Ordner.
Crosby und Stills
Die Pause hielten sie ein, und als sie zurückkamen, hatte sich die Band mehr als verdoppelt. Zwei Keyboarder betraten mit ihnen zusammen die Bühne, ein Drummer sowie ein Baßgitarrist; beides deutliche Anzeichen dafür, daß jetzt der rockige Part des Konzert begonnen hatte. Und weil nun jeder von ihnen etwas mehr Bewegungsfreiheit brauchte, waren auch ihre Mikrofone auseinander gerückt.

Auch nach der Pause spielten sie überwiegend die alten, immer wieder Applaus hervorrufenden Titel: »Teach Your Children«, »Wooden Ships«. Sie nahmen das Publikum mit auf die Reise mit dem »Marrakesh Express«, mit wallender, von den Scheinwerfern in blendend blaues Licht getauchter Mähne sang Crosby »Cut My Hair«. Dann kündigte Nash an "a song you never heard before", und schon begannen sie: "She would never say where she came from...". Erkennendes Gelächter im Publikum; hier erklang gerade »Ruby Tuesday« von den Stones.

Für den Song »Our House« setze sich Graham Nash sogar an die Keyboards. Und dann erklang der Titelsong ihres berühmtesten Albums »Déjà Vu« mit der verwirrend schnellen Wortfolge, mit der wir früher schon unsere Mühe hatten: »If I had ever been here before I would probably know just what to do...«.

Nach beinahe jedem Stück wechselte mindestens einer der drei seine Gitarre gegen ein anderes Exemplar aus. Ich habe noch nie eine Band gesehen, die ihre Roadies dermaßen in Schwung hielt.
CSN
Kurz vor zehn Uhr spielten sie ihre dritte und letzte Zugabe. Der Veranstalter hatte schon die Zeltbeleuchtung eingeschaltet, doch die Fans erzwangen eine erneute Rückkehr und die Lichter gingen noch einmal aus - ein einmaliger Vorgang für mich, den ich noch niemals in einem Konzert erfahren hatte. Ihr letzter Song, »Love The One You're With«, von Stills komponiert, (ein Ratschlag, den die zusammen mit der Band gealterten Fans heute wohl nicht mehr in die Tat umsetzen werden), beendete ein äußerst bemerkenswertes Konzert.
Stills und Nash
Beenden möchte ich meinen kleinen Bericht mit einem Zitat des Rundfunkmoderators Volker Rebell, nachdem er das Trio bei seiner letzten Tournee 2005 in der Schweiz gesehen hatte:

»Die Süßlichkeit von Graham Nash, die Versponnenheit von David Crosby bekommt eine kraftvolle Injektion, gewinnt Reizspannung und Kontrast durch die wuchtigen Akkorde und die aufschfreienden Soli des Rockgitarristen Stills. Am Griffbrett ist er immer noch ein Könner, aber seine Stimme hat arg gelitten... Und in einem Interview äußerte sich David Cosby über die Rollenverteilung in der Band. Graham Nash sei für die emotionalen Hymnen des Trios zuständig, sagt er, Stephen Stills würde die großen Rocksongs schreiben, und er, naja, er sei verantwortlich für den Rest, 'the weird shit', das verrückte Zeug...«