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Die Reise zur schwarzen Sonne
07.08.-17.08.2026, Spanien
SoFi-Brille
Vorhang auf
für die Show!
Gleich zu Beginn eine Bemerkung: Hier wird es etwas fachspezifischer, und wer sich die ganzen technischen und astronomischen Beschreibungen und Aufzählungen ersparen möchte, überliest sie einfach und erfreut sich an den Bildern.

Dirk, ein ehemaliger Arbeitskollege aus Köln und ebenfalls Astroamateur, hatte vor, ebenfalls die Finsternis zu besuchen. Ich versuche ihn telefonisch zu erreichen. Später meldet er sich zurück, und wir tauschen uns aus. Er befindet sich an der Küste des Atlantik bei Gijon. Dort liegt noch Dunst über der Landschaft, und er hofft, daß sich der Dunst noch verzieht, denn die Sonne steht zum Zeitpunkt der Totalität nur etwa 7 Grad über dem Horizont. Später meldet er sich noch einmal und teilt mir mit, daß sie (sie eind zu zweit) sich einen anderen Beobachtungsplatz suchen und in die Berge fahren, denn der Dunst über dem Meer löst sich nicht auf. Diesmal hatte er Glück und konnte die Finsternis beobachten.
Fotoausrüstung
Meine Fotoausrüstung
Meine Ausrüstung ist längst aufgebaut: Auf einem stabilen Manfrotto-Stativ sitzt eine Reisemontierung vom Typ Skywatcher Adventurer, die meine Kamera Canon EOS 90D trägt. Das Objektiv ist ein Spiegelobjektiv vom Typ Rubinar (auch»Russentonne« genannt) mit einer Brennweite von 500 mm. Stativ und Objektiv habe ich zuvor bereits 2006 in der Türkei und 2017 in den USA verwendet. Hinzugekommen ist die Reisemontierung, um mir das lästige Nachführen der Kamera vor allem um die Phase der Totalität herum zu ersparen. Mit Hilfe des Kompasses des Smartphons habe ich Stativ und Montierung einigermaßen genau in Richtung Nord ausgerichtet, muß sie aber später noch einmal versetzen und die Ausrichtung erneut durchführen.

Timer, Smartphone und diverse Kabel vervollständigen die Ausrüstung. Ein paar Probleme gab es im Vorfeld, denn ich suchte nach einer Möglichkeit, zehn Aufnahmen hintereinander mit der Kamera zu machen, angefangen bei 1/1000 s, und jedes weitere Bild mit doppelter Belichtungszeit. Daraus wollte ich per Software ein Bild von der Korona erstellen, bei dem ihre Struktur und die feinen Strahlen sichtbar werden, die auf einer Einzelaufnahme nicht zu sehen sind. Eine solche Software muß die Belichtungseinstellungen der Kamera verändern können. »Magic Lantern«, die ich früher verwendet habe, kommt mit meiner Canon 90D nicht zurecht, Wolfgang Stricklings »EclipsedDroid« ebenfalls nicht. So blieb ich bei der App »qDslrDashboard« hängen. Die kann die Kamera per WLAN oder USB-Kabel steuern und über das Bracketing die gewünschte Serie auslösen. Das Problem dabei: Eine Serie von zehn Bildern dauert mindestens 22 Sekunden. Bracketing kann meine Canon auch, aber über maximal sieben Stufen.

Zuvor hatte ich mir eine Checkliste erstellt, in der die einzelnen Handgriffe und Schritte in zeitlicher Reihenfolge aufgelistet sind und dann abgehakt werden. Den Ablauf habe ich zuhause mehrfach geübt und die dabei begangenen Fehler aufgeschrieben. Ein verhängnisvoller Fehler beim Testlauf war es beispielsweise, daß ich vergessen hatte, den Sonnenfilter kurz vor der Totalität vom Objektiv zu entfernen...
Partielle Phase
Es geht auf 19:33 Uhr zu. Das ist C1, der Zeitpunkt des ersten Kontaktes des Mondes mit der Sonne. Ich überprüfe noch einmal alles, mache ein Testfoto von der Sonne, um die Belichtung einzustellen. Dann starte ich den Timer, der alle 90 Sekunden ein Foto von der Sonne anfertigt. Nun ist der Rand der Sonne erstmals "angeknabbert".

Die Leute rundherum haben davon kaum etwas mitbekommen, plaudern miteinander, schauen in alle Richtungen, nur nicht zur Sonne. Ich wundere mich, daß der Beginn der partiellen Phase der Finsternis nicht angesagt wurde. Bis auf wenige Leute, die ein Stativ aufgebaut haben, benutzen die meisten nur ihr Smartphone. Wir müssen ab und zu mal unseren Ruheplatz verschieben, denn der Schatten das Pavillons wandert jetzt merklich. Die Finsternis schreitet fort, die Leute werden jetzt aufmerksamer und schauen ab und zu durch ihre Brillen zur Sonne. Mittlerweile hat sich das Areal gut gefüllt. Ich komme mit einem Spanier ins Gespräch, der auf Teneriffa wohnt, und wir unterhalten uns über meine Aufnahmetechnik.
Kurz vor der Totalität
Kurz vor der Totalität
Ich habe noch ein zweites Smartphone, und auf ihm läuft eine App mit einem Timer, der rückwärts tählt und ab und zu Ansagen macht. Das Gemurmel im großen Rund ist stärker geworden, und die Ansagen der App sind kaum zu verstehen. Es ist jetzt schon merklich dunkler geworden, und zusammen mit den langen Schatten der tief stehenden Sonne ergibt sich ein unwirklicher Eindruck. Statt des fahlen Lichts, das mir von den beiden Finsternissen in Erinnerung ist, ist das Licht eher rötlich. Kein Wunder, denn diesmal steht die Sonne nicht hoch am Himmel, sondern nur 7° überm Horizont.

Kurz vor C3, also dem Beginn der Totalität, nehme ich die Filter von der Kamera. Die beiden Ferngläser, sind schon vom Filter befreit.
Diamantring
Der Diamantring blitzt auf
Mit dem bloßen Auge verfolgen wir gebannt, wie die letzten Strahlen der Sonne verschwinden. Dann ist es soweit: ein letztes Aufblitzen - und die Sonne ist weg. Die Menschen sind freudig erregt, ihre Gefühlsausbrüche halten sich allerdings in Grenzen. Da habe ich schon ganz andere Jubelszenen im Internet gesehen.

Und dann bietet sich uns dieser unvergeßliche Anblick: An einem dunklen Himmel steht ein kreisrunder schwarzer Fleck, der von einem leuchtenden Strahlenkranz umgeben ist. Der Anblick durch das Fernglas raubt mir fast den Atem: Die Sonnenkorona zeigt ihre beeindruckende Gestalt, ist unregelmäßig und deutlich strukturiert; am Ostrand leuchtet eine blutrote Protuberanz. Am auffälligsten ist aber die gelbliche Farbe dieser Korona.

Ich habe die Aufnahmeserie gestartet, lasse sie zweimal laufen, und hoffe, die Bilder mögen gelungen sein. Doch die Phänomene, die durch den ungleichmäßig runden Mondrand hervorgerufen werden, haben es nicht auf mein Kamerachip geschafft - zu kurz war die Phase der Totalität. Aber meiner Frau gelang es, mit dem Smartphone den Diamantring zu fotografieren. Wie in Trance höre ich den Countdown, der das Ende der nur 72 Sekunden dauernden totalen Verfinsterung ankündigt, da blitzt es am Ostrand auf, und da ist sie wieder.
Die Sonnenkorona
Normalerweise sind die Protuberanzen am Sonnenrand nur durch ein Sonnenteleskop mit Hilfe schmalbandiger Filter zu sehen. Die Struktur der Korona, ihre Form und Größe, die maßgeblich durch das solare Magnetfeld bestimmt werden, kann man sichtbar machen, indem man aus einer Serie unterschiedlich lang belichteter Aufnahmen per Software ein finales Einzelbild erstellt. Die Korona selbst ist nur bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar, denn sie leuchtet sehr schwach, wird normalerweise von der Sonne überstrahlt.

Das menschliche Auge aber, dieses Wunderwerk, kann all diese Phänomene gleichzeitig wahrnehmen. Und das ist es auch, was eine totale Sonnenfinsternis von anderen Finsternissen unterscheidet: Zum einen der Eindruck einer sich verändernden Umgebung, und zum anderen der Anblick der »schwarzen« Sonne.

Unmittelbar nach C2 zeigt sich am linken Sonnenrand diese wunderschöne Protuberanz.
Kurz vor C3, als der Mond weiter ostwärts gewandert ist, werden auch die Protuberanzen am rechten Sonnenrand sichtbar.
Untergehende Sonne
Der Timer ist wieder aktiv und fertigt alle 2,5 Minuten ein Bild an. Ich muß die Belichtungszeiten verlängern, denn mit sinkender Sonnenhöhe werden die Bilder immer dunkler. Zu C4, dem Ende der Finsternis, wenn sich Sonne und Mond wieder voneinander trennen, ist die Sonne längst untergegangen, und so endet die Bilderserie, als die Sonnensichel hinter den Bäumen verschwindet.

Die meisten Besucher bleiben noch. Sie sind vom Veranstalter zur gemeinsamen Beobachtung der Perseiden eingeladen, denn der Meteorstrom erreicht heute nacht sein Maximum. Auf dem Areal herrscht ausgelassene Stimmung. Für uns aber ist das zu spät, denn die astronomische Dämmerung erndet erst gegen 23 Uhr, und wir haben noch einen Heimweg vor uns. So packen wir in aller Ruhe alles zusammen, tragen es zum Auto und fahren in der Dämmerung zurück.

Das Navi leitet uns auf einem anderen Weg zurück. Wir fahren durch Lodosa und dann nordwärts auf die A2. Als wir die Autobahn erreichen, verdichtet sich der Verkehr. Er wird immer dichter, ein Krankenwagen mit Blaulicht überholt uns. Wir fürchten schon, steckenzubleiben, aber der Stau beginnt unmittelbar nach unserer Abfahrt. Auf dem letzten Stück bis zum Campingplatz gibt es auch einen Stau, aber glücklicherweise in der Gegenrichtung.

Auf dem Platz angekommen, duschen wir uns erst einmal den ganzen Schweiß vom Körper. Dann begutachte ich die Fotos von der Totalität, bin damit zufrieden und lade sie hoch auf meinen Webspace, damit ich Kopien habe, falls Chip oder Kamera verlorengehen sollten. Zufrieden lege ich mich schlafen, und lasse die Eindrücke der Tages noch einmal Revue passieren. Ich schaue noch ein paar Minuten zum Himmel, kann aber keinen Meteoriten erblicken.